10x statt 10 %: Warum IT-Dienstleister im M365-Markt linear wachsen — und welche Frage das aufbricht
Die meisten Wachstumspläne, die ich in IT-Dienstleistungen und M365-Beratungen zu sehen bekomme, sind linear gedacht. Mehr Berater, mehr Mandate, mehr Umsatz. Etwas höhere Stundensätze, etwas bessere Auslastung. Eine Roadmap, die im Kern aus drei multiplizierten Variablen besteht — und genau deshalb in den nächsten Jahren auf eine Decke trifft, die niemand im Plan erwartet hat.
Linear ist nicht falsch. Linear ist die natürliche Logik des klassischen Dienstleistungsgeschäfts, und sie hat lange genug funktioniert, dass viele Geschäftsführungen sie für die einzige Logik halten. Genau das ist das Problem. Ich glaube, dass im M365-Markt der nächsten fünf Jahre die Dienstleister wachsen, die linear denken können — und dann bewusst entscheiden, es nicht zu tun.
Lineares Wachstum ist die DNA des Dienstleistungsgeschäfts
Die Mechanik ist auf der Innenseite eindeutig. Umsatz im Dienstleistungsgeschäft ist eine simple Multiplikation: Köpfe mal Auslastung mal Stundensatz. Drei Hebel, drei harte Decken.
Die Köpfe-Decke ist die unangenehmste. Mehr Berater bedeutet mehr Recruiting in einem leergefegten Markt, mehr Onboarding-Aufwand, mehr Führungsspanne, mehr operative Komplexität. Ab einer bestimmten Größe wächst der Overhead schneller als der Output.
Die Auslastungs-Decke ist mathematisch begrenzt. 100 Prozent sind nie erreichbar, 80 Prozent sind eine ambitionierte Realität, und jenseits davon brennt das Team in zwölf bis achtzehn Monaten aus.
Die Stundensatz-Decke ist eine Frage der Positionierung. Sie lässt sich verschieben — mit Spezialisierung, mit Senior-Profilen, mit Methodik. Aber auch sie hat eine obere Kante, und in einem Markt, in dem Käufer parallel günstigere Alternativen sehen, ist diese Kante näher, als die meisten Pricing-Diskussionen vermuten.
Drei Hebel, drei Decken. Wer alle drei gleichzeitig ausreizt, ist beeindruckend gut geführt — und stößt trotzdem irgendwann an die strukturelle Obergrenze, die der lineare Rahmen vorgibt. Das ist keine Frage der Disziplin. Das ist die Mathematik des Modells.
Im M365-Markt wird die Decke besonders schnell sichtbar
Im Microsoft-365-Beratungssegment kommt eine zweite Dynamik dazu, die ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben habe: Die einfachen Themen sind weitgehend abgearbeitet, die verbleibenden sind komplexer, brauchen mehr Senior-Profile und damit teurere Köpfe. Das verschiebt die Stundensatz-Decke nach oben — aber es verkleinert gleichzeitig den verfügbaren Talent-Pool. Senior-M365-Profile sind teurer und seltener als generische Berater-Profile.
Konkret heißt das: Die Decke wandert nach oben, der Engpass dahinter wird enger. Ein M365-Dienstleister, der heute 30 Berater hat, wird mit linearem Wachstum vielleicht auf 50 wachsen können — aber nicht auf 200. Nicht in dieser Marktlage, nicht in diesem Talent-Pool.
Wer 10 Prozent Wachstum pro Jahr plant, kommt mit dem linearen Modell durch. Wer auf eine andere Größenordnung will, kommt nicht durch.
Was über reine Dienstleistung hinaus skaliert
Hier wird es interessant. Im Dienstleistungsgeschäft addiert man — eine zusätzliche Stunde produziert einen zusätzlichen Umsatz. Über die Dienstleistung hinaus gibt es Hebel, die multiplizieren: Eine einmal erbrachte Leistung erzeugt Umsatz, ohne dass jedes Mal eine neue Stunde dafür geliefert werden muss. Drei Hebel kommen für IT-Dienstleister praktisch in Frage:
Produkt-Ableger aus der eigenen Beratungspraxis. Eigene Software, Tools, Templates, Frameworks — alles, was aus wiederholt gelöster Projekt-Arbeit in ein eigenes Produkt extrahiert wird. Eine Self-Service-Lösung für ein wiederkehrendes M365-Problem (Governance-Templates, Berechtigungs-Auditor, Migrations-Tooling) kann an viele Kunden gleichzeitig verkauft werden, ohne dass jeder Verkauf eine neue Beratungswoche bedeutet. Die Bruttomarge eines solchen Produkts liegt typischerweise dramatisch über der Dienstleistungs-Marge — und sie skaliert mit dem Kundenstamm, nicht mit dem Personalstamm.
Verpackte Beratungsleistung als Subscription oder Lizenz. Methodik, die so weit standardisiert ist, dass sie ohne Senior-Berater an die Hand des Kunden geht — als Abo, als Lizenz, als Selbst-Bedienungs-Format. „Beratung als Produkt" ist nicht für jedes Thema möglich, aber für eine erstaunliche Zahl davon. Wenn das Modell trägt, koppelt es Umsatz von Personalbestand teilweise ab.
Plattform- und Methodik-IP, die andere lizenzieren oder mit nutzen. White-Label-Frameworks für kleinere Dienstleister, Methodik-Lizenzen für interne Teams in größeren Unternehmen, Marketplace-Modelle, in denen ihr nicht der Lieferant seid, sondern derjenige, der die Infrastruktur stellt. Das ist der ambitionierteste Hebel — und der mit der größten Multiplikatorwirkung, wenn er funktioniert.
Alle drei Hebel haben einen gemeinsamen Nenner: Sie machen aus eurer wiederholt erbrachten Leistung etwas, das einmal gebaut und dann mehrfach verkauft wird. Das ist die strukturelle Differenz zwischen Addieren und Multiplizieren.
Warum die meisten Dienstleister diese Hebel nicht ziehen
Wenn das so offensichtlich klingt — warum tut es dann nicht jeder? Ich beobachte in den Gesprächen, die ich führe, vier wiederkehrende Gründe.
Der erste ist ein Identitäts-Bias: „Wir sind eine Beratung, keine Software-Firma." Diese Selbst-Beschreibung ist verständlich und in vielen Fällen auch wahr. Aber sie wird zur Selbsterfüllung, wenn sie die Diskussion über skalierende Hebel von vornherein verhindert. Niemand erwartet, dass eine M365-Beratung über Nacht zum SaaS-Anbieter wird. Aber ein einzelnes, wohl gewähltes Produkt-Element kann das gesamte Geschäft strukturell anders aufstellen — wenn man sich erlaubt, darüber nachzudenken.
Der zweite ist Risikoaversion gegenüber dem bestehenden Cashflow. Das laufende Dienstleistungsgeschäft funktioniert. Es zahlt Gehälter, es zahlt Boni, es zahlt die Investitionen. Jeder Schritt in Richtung Produkt zieht Kapazität aus dem laufenden Geschäft ab — und das ist messbar unangenehm. Die meisten Geschäftsführungen, mit denen ich darüber spreche, unterschätzen aber, dass die spätere Anpassung aus der Decke heraus deutlich schmerzhafter ist als die jetzige vor der Decke.
Der dritte ist der mentale Rahmen aus Budget und Personal. Wachstumspläne werden routinemäßig innerhalb der bestehenden Ressourcen gedacht — was bauen wir mit unseren 30 Beratern, was kostet das, lohnt es sich? Diese Frage ist sinnvoll, wenn man inkrementell plant. Sie ist ungeeignet, wenn man strukturell anders wachsen will. Die ehrliche Frage wäre eine andere: Was müssten wir tun, wenn Budget und Personal nicht die Grenze wären? Diese Frage stellt sich im laufenden Geschäft niemand, weil sie dort niemand stellen muss.
Der vierte ist methodische Lücke: Es fehlt das Format, in dem man diese Frage produktiv stellt. Ein Strategie-Workshop mit „wir denken mal über Wachstum nach" produziert sechs Stunden Diskussion und ein Whiteboard ohne Entscheidung. Eine ehrliche 10x-Diskussion braucht eine andere Struktur, andere Prämissen und einen externen Moderator, der nicht mit der eigenen Vergangenheit verhandeln muss.
Genau dieser Frage stelle ich mich mit den Workshops, die ich anbiete
Ich, Florian Pflanz, habe in meinen Jahren als Chief Commercial Officer und Head of Sales in IT- und SaaS-Unternehmen immer wieder dieselbe Lücke gesehen: brillante Geschäftsführungen, die ihr lineares Wachstum sauber planen können, aber den eigenen Rahmen nicht aufbrechen. Nicht aus Unfähigkeit, sondern aus Mangel an Anlass und Methode.
Diese Lücke schließe ich mit einem konkreten Workshop-Format. Es ist bewusst eng geschnitten und auf eine einzige Sache ausgerichtet: den linearen Rahmen für einen Tag bewusst zu verlassen. Die drei Leitfragen sind:
1. Was müssten wir tun, um in den nächsten 24 Monaten 10x zu gehen — wenn Budget und Personal explizit keine Grenze wären?
2. Welche heute selbstverständlichen Strukturen wären in diesem Szenario nicht mehr nötig — oder sogar im Weg?
3. Welche Wege hat der SaaS-Markt noch nicht gegangen, die für ein dienstleistungs-getriebenes M365-Unternehmen offen wären — und warum nicht?
Die Workshops sind kein Strategie-Theater. Sie sind ein bewusst künstlicher Rahmen, in dem die üblichen „Aber das geht nicht, weil…"-Reflexe für ein paar Stunden ausgesetzt werden. Was am Ende übrig bleibt, ist meistens nicht die buchstäbliche 10x-Roadmap — sondern zwei oder drei sehr konkrete Hebel, die im linearen Rahmen vorher nie ernsthaft geprüft worden waren. Manche werden umgesetzt. Manche werden bewusst verworfen. Beides ist eine Entscheidung — und das ist der eigentliche Wert.
Was diese Frage typischerweise zutage fördert
Konkret aus den Workshops, die ich bisher moderiert habe, kommen drei Themen immer wieder als versteckte Hebel zum Vorschein. Sie sind kein Geheimnis, sie werden nur im linearen Rahmen nicht gesehen.
Erstens: Repetitiv erbrachte Beratungsleistung, die als Produkt verpackbar wäre. Jede etablierte M365-Beratung hat zwei bis fünf Themen, die sie hundertmal in fast identischer Form geliefert hat — Berechtigungs-Setups, Governance-Konzepte, Migrations-Vorgehen, Sicherheits-Baselines. Genau diese Wiederholung ist der Rohstoff für ein Produkt. Niemand baut es, weil es im Tagesgeschäft nicht „passt".
Zweitens: Methodik, die andere Dienstleister lizenzieren würden. Größere Beratungen haben oft Frameworks oder Tools entwickelt, die für kleinere Dienstleister gold wert wären — die aber nie als IP-Asset bewirtschaftet werden, weil sie als „eigene Arbeitsweise" verbucht sind.
Drittens: Strukturen, die das eigene Skalieren aktiv verhindern. Reporting-Mechaniken, die nur mit linearer Vergrößerung mitwachsen. Pricing-Modelle, die einen Produkt-Verkauf strukturell unattraktiv machen. Personal-KPIs, die Standardisierung bestrafen. Diese Strukturen sind im linearen Modell sinnvoll und im 10x-Modell hinderlich. Solange niemand den Rahmen wechselt, fällt das nicht auf.
Linear ist nicht falsch — es ist nur eine Wahl
Eine ehrliche Schlussfolgerung: Lineares Wachstum ist ein vollkommen legitimer Pfad. Viele exzellente IT-Dienstleister wachsen so, verdienen damit gut und kommen gut durch die nächsten Jahre. Wer das bewusst wählt, soll es bewusst wählen.
Was teuer wird, ist die unbewusste Variante: Lineares Wachstum als Default, ohne dass jemals geprüft wurde, ob es die richtige Wahl ist. Wer den linearen Rahmen nie verlässt, sieht die Optionen außerhalb nicht — und entscheidet damit gegen sie, ohne es zu merken.
Genau das versuche ich in den Workshops aufzubrechen. Nicht, um jeden M365-Dienstleister zum Produkt-Anbieter zu machen. Sondern um die Entscheidung zwischen den Modellen erstmals als echte Entscheidung möglich zu machen. Wer im Anschluss linear weiterwächst, hat eine bewusste Wahl getroffen. Wer im Anschluss umsteuert, hat zwei oder drei Hebel identifiziert, die er sonst nie gesehen hätte.
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